Archiv für 'Wirtschaft'Kategorie

Bericht aus dem Herzen der Finsternis

22. Dezember 2008

Andrew Gowers war Kommunikationschef bei Lehman Brothers, als das Unternehmen kollabierte. Bei Welt Online berichtet er ausführlich und anschaulich aus der Zeit kurz vor und während des Zusammenbruchs.

Hätte Lehman ein Grab, könnte auf dem Grabstein stehen: „Hier liegt Lehman Brothers, die Bank, die mit ihrem eigenen Untergang demonstrierte, warum das globale Finanzsystem vor sich selbst gerettet werden musste. Ruhe in Frieden.“

Die Zukunft der Zeitung ist die Nachricht – zur Not auch Online

21. November 2008

Kaum ein Thema wird in der Medien-Landschaft momentan so heftig diskutiert wie die Zukunft von Print, vor allem Zeitungen, im Gegensatz zu Online. Die Umsätze bei Print sinken schneller, als sie bei Online steigen. Die Reaktion der Medienunternehmen: Stellen werden gestrichen, Redaktionen zusammengelegt, Qualität abgebaut. Gleichzeitig setzt man bei Online auf den schnellen Klick und betrachtet es immer noch als Konkurrenz zu den “klassischen” Medien.

Die Medienunternehmen haben es immer noch nicht verstanden. Es gibt da dieses Zitat über die Eisenbahngesellschaften am Beginn des 20. Jahrhunderts, von dem ich nicht mehr weiß, wer es getätigt hat: “Wenn die Companies verstanden hätten, dass sie nicht im Eisenbahn- sondern im Transportbusiness sind, gäbe es sie noch heute.”

Analog dazu kann man über die Medienkonzerne sagen:

Wenn die Medienkonzerne verstehen würden, dass sie nicht im Tageszeitungs- oder im Print-, sondern im Nachrichtengeschäft sind, wird es sie auch noch in 50 Jahren geben.

Vielleicht refinanzieren sich qualitativ hochwertige Onlineauftritte noch nicht. Aber es ist eine Investition in die Zukunft. Das müssen Verlage und Fernsehsender verstehen. Die Zukunft ist, bezogen auf Nachrichten, nicht gedruckt, sondern digital, online.

Fragen eines gelangweilten Angestellten

24. Oktober 2008

Sorry, aber es ist Freitag:

Fragen eines gelangweilten Angestellten

Wer programmierte die siebensieglige Datenbank?
In den Büchern stehen die Namen von Software-Millionären.
Haben die Könige die Codezeilen selbst getippt?
Und die mehrfach zu hohen Umsatzziele,
Wer musste die Überstunden machen? In welchen Hochhäusern
Des stahlstrahlenden New York wohnten die Putzfrauen?
Wohin gingen an dem Abend, wo der Jahresabschlüsse fertig waren,
Die Controller? Das große Frankfurt
Ist voll von Banken. Mit wessen Geld
Handelten die Bänker? Hatte das vielbesungene London
Nur Stadtvillen für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Hong Kong
Brüllten noch an dem Handelstag, wo die Aktienkurse ins Meer plumsten,
Die Bankroten nach ihren Hausmädchen.

Der große Ackermann erhöhte die Umsatzrentabilität.
Er allein?
Wiedeking rettete Porsche.
Hatte er nicht wenigstens eine Sekretärin bei sich?
Die Vorstandsvorsitzenden weinten, als ihre Bezüge
Gekürzt wurden. Weinte sonst niemand?
Schaeffler siegte im Continental-Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite eine Dividendenausschüttung.
Wer organisiert die After-Work-Party?
Alle zehn Jahre ein Börsencrash.
Wer bezahlt den Rettungsplan?

So viele Geschäftsberichte,

So viele Fragen.

Thx, BB.

Tolle Tipps aus der Bibel, z. B. zu Finanzkrise und Frauenverachtung

22. Oktober 2008

Also Sachen gibt’s…

Anfang 2009 findet in Düsseldorf der Kongress der christlichen Führungskräfte statt. Das ist an sich uninteressant, witzig ist jedoch der Dreh, mit dem die christlichen Führungskräfte versuchen, Relevanz zu erzeugen. In der Ankündigung heißt es:

“Viele Menschen erinnern sich angesichts der aktuellen Krise auf den Finanzmärkten wieder der “alten” Werte und Tugenden. “Wer in diesen Zeiten der Orientierungs- und Fassungslosigkeit nach Richtung und Rat sucht, sollte auch einmal das Buch der Bücher – die Bibel – in die Hand nehmen”, empfiehlt Horst Marquardt, Vorsitzender des Kongresses christlicher Führungskräfte ( http://www.christlicher-kongress.de ). Dort werde in über 2.000 Versen verantwortungsvolles Haushalten und der richtige Umgang mit Geld thematisiert.”

Klasse, die Bibel als Finanzratgeber. Wäre ich so nicht drauf gekommen. Weitere klasse Themen (bzw. Werte und Tugenden), mit denen sich die Führungskräfe auf ihrer Tagung beschäftigen können und zu denen die Bibel viele Tipps hat:

Also alles Dinge, die der gute Manager von heute beherrschen muss.

Die Welt geht unter und mir ist langweilig

16. Oktober 2008

Seit ca. zwei oder drei Wochen geht jetzt schon die Welt unter. Mit Milliarden-Beträgen wird jongliert als ginge es um Hosenknöpfe. Politiker bemühen sich um Vertrauen [sic!], Bänker um ihren guten Ruf [sic!!]. Und ich finde das alles höchst uninteressant.

Die Börse fand ich schon immer dubios. Da werden Unternehmen abgestraft, weil sie nicht genug Gewinn machen. Wenige Händler bestimmen ein Großteil der Wirtschaft. Ich stelle mir das dann folgendes vor:

Thomas M. ist Börsenhändler. Gestern Abend war schlecht für ihn, Kratzer im Lack des BMW, die Kinder haben nicht auf ihn gehört und dann lässt ihn noch nicht mal seine Frau ran. Morgens mit dem falschen Bein aufgestanden, Stau in der Frankfurter Innenstadt. Dann Aktienhandeln – verkaufen, verkaufen, schlecht bewerten. Schon fällt der Kurs des Dax-Unternehmens um 5%. 500 Millionen Euro vernichtet. Ist das ok? Ich denke nicht.

Noch schlimmer ist ja eigentlich, wie die sog. Krise jetzt zeigt, dass der Staat offensichtlich kaum Einblicke in dieses Geschehen hat und es erst recht nicht kontrollieren konnte oder wollte. Ich hab nichts mit Wirtschaft studiert, aber das finde ich doof. Der Innenminister dieses Landes möchte gerne alle Rechner überwachen, sein Kollege aus dem Wirtschaftsressort schafft es aber nicht, die Dinge unter Kontrolle zu behalten, von denen wirklich Bedrohung ausgeht.

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