Unglaubliche Geschichten erzählt Roger Corman in der Zeit:
The Terror ist der verrückteste Film, den ich je gedreht habe. Er entstand nur, weil es an einem Sonntag regnete. Ich verfilmte gerade Poes Der Rabe und wollte an meinem freien Tag Tennis spielen. Da es schüttete, saß ich zu Hause und sagte mir: »Verdammt, da stehen diese gigantischen Sets von Der Rabe herum, warum benutzt du sie nicht einfach für einen weiteren Film?« Ich kritzelte frei nach Poe eine Handlung auf eine Serviette und rief einen Kumpel an. Er sollte in fünf Tagen ein Drehbuch schreiben. Am nächsten Morgen klopfte ich an Boris Karloffs Garderobentür und fragte ihn, ob er nach Drehschluss noch bei einem anderen Poe-Film mitmachen könnte. Er sagte zu, Dick Miller auch. Jack Nicholson übernahm die männliche Hauptrolle und schlug seine Frau Sandy für die weibliche Hauptrolle vor. Nun konnte ich nicht selbst Regie führen, da ich aus gewerkschaftlichen Gründen eine voll bezahlte Crew hätte anheuern müssen. Also übernahm mein Assistent Francis Ford Coppola die Regie. Nach ein paar Tagen hatte er aber einen anderen Job, und Monte Hellman machte weiter. Als der weg musste, übernahm der nächste Regisseur und so weiter. Schließlich war nur noch ein Drehtag übrig. Da sagte Jack Nicholson zu mir: »Roger, jeder verdammte Idiot in Hollywood hat bei diesem Film Regie geführt, lass mich bitte den letzten Tag übernehmen.« So kam es dann auch. Aber dann mussten wir alles schneiden. Leider hatten all diese Regisseure völlig verschiedene Stile in den Film gebracht, die zusammen überhaupt keinen Sinn ergaben. Noch dazu war die Handlung völlig bescheuert. Ich zerbrach mir den Kopf, wie man das alles doch noch retten konnte. Inzwischen hatten wir aber schon mit den Dreharbeiten zum nächsten Poe-Film Die Maske des Roten Todes begonnen. Nachts nach Drehschluss brachte ich Jack Nicholson, seine Frau Sandy und Dick Miller zusammen und drehte mit ihnen in den Sets von Die Maske des Roten Todes drei Stunden lang zwei zusätzliche Szenen für The Terror, die Licht in die Handlung bringen sollten. In einer dieser Szenen wirft Nicholson Miller gegen eine Wand und schreit: »Man hat mich belogen, seit ich in diesem Schloss bin! Sage mir endlich, was hier vorgeht!« Dann erzählt Dick die Geschichte noch einmal nach, sodass alles endlich zusammenpasst. Naja, nicht wirklich. Boris Karloff war sehr erstaunt, durch die Zusatzszenen zu erfahren, dass der Baron, den er spielt, gar kein echter Baron war. Das Verrückteste aber war, dass wir ziemlich gute Kritiken bekamen. Die Kritiker waren so sehr damit beschäftigt, herauszufinden, worum es in The Terror geht, dass sie nicht merkten, wie schlecht der Film war.
Sowas geht doch heute gar nicht mehr, oder?