Bei dieser ganzen Aufregung (die ich verstehen und in großen Teilen mittragen kann): Wenn dieses neue Gesetz so eindeutig gegen das Grundgesetz verstößt, wird es dann nicht über kurz oder lang sowieso vom Verfassungsgericht kassiert?
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Kurze Zwischenfrage
19. Juni 2009Christenverfolgung
19. Juni 2009Schnell gelesen, schnell gebloggt: Atheistische Bustour und die christliche Verfolgung. Diese Missionare! Glaube (sic!) nicht, dass ich ruhig geblieben wäre.
Peter Sodann ist der Erlöser
7. Januar 2009Was für eine Meldung, meine beiden Lieblingsthemen (Christentum und Alt-Kommunisten) werden verknüpft: In einem Interview mit dem stern sagt Peter Sodann, Kandidat der Partei „Die Linke“ für das Amt des Bundespräsidenten, über sein Engagement gegen Deutsche Bank-Chef Ackermann:
Mein Gott, Jesus hat doch auch bestimmte Herrschaften aus dem Tempel verwiesen. Ich denke, dass sehr viele Menschen Angst vor Leuten wie Ackermann haben! Sehr reale Angst vor ihrer wirtschaftlichen Macht, Angst vor ihrem Handeln. [Hervorhebung von mir]
Wenn ich seinen Gedankengang richtig nachvollziehe, sieht er sich dann doch in der gleichen Rolle wie Jesus, oder? Er traut sich, die Wechsler aus dem Tempel zu vertreiben.
Bleibt nur die Frage: Welche Drogen nimmt der Mann. Oder meint er es gar ernst?
Die unfreundlichsten Menschen der Welt: Missionare
2. Januar 2009So langsam entwickelt sich die Religion zu einem zentralen Thema in diesem Blog. Dabei ist sie mir doch eigentlich so unwichtig…
Aber leider bestimmt die Religion immer noch einen großen und wichtigen Teil unseres Lebens, auch wenn wir uns selbst als Atheisten, Agnostiker oder Heiden bezeichnen. Ob wir wollen oder nicht, Religion ist Teil unseres Lebens. Und anscheinend wird er in letzter Zeit immer größer.
Mir fiel es vor kurzem wieder auf, als ich sie sah: Missionare der Mormonen, Vertreter von „Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage„, die irgendwo in unserem Stadteil ein Zentrum haben müssen, denn ich sehe sie häufiger. Immer sauber gekleidet. Immer ein Lächeln auf den Lippen.
Als ich sie sah, diese jungen, vitalen Menschen, da wurde mir klar: Missionare sind die unfreundlichsten Menschen der Welt. In ihrem eigenen Wahn denken sie, die Welt zum besseren bekehren zu müssen, sich in ihr Leben einschleichen und sie ändern.
Missionare sind wirklich das Letzte. Wie kann man von seinem eigenen Leben so überzeugt sein, es als Vorbild für alle anderen zu nehmen? In unserer Gesellschaft spielen sie vielleicht nicht die größte Rolle, aber wie sieht es in der Dritten Welt aus?
Lasst die Menschen in Ruhe. Wenn Sie euch brauchen, werden sie schon kommen. Bis dahin macht was Sinnvolles. Lebt. Oder beschäftigt euch mit wichtigen historischen Geburtstagen.
Atheistischer Filmtipp: „Tatsächlich … Liebe“
22. Dezember 2008Eine Schmuseschmonzette als Statement gegen die Vereinnahmung des Menschen durch die Religion und über die Zukunft von Weihnachten.
Ich schaue nicht gerne romantische Komödien. Zu viel Schrott wurde dort bereits gedreht, zu viele Süßholz-Stücke versendet, zu oft habe ich mich ob der schauspielerischen und dramaturgischen Schwächen fremdgeschämt. Neulich überredete mich meine Liebste trotzdem, den Film „Tatsächlich … Liebe“ (Love actually, USA, UK, 2003, Regie und Drehbuch Richard Curtis) anzuschauen. Und ich muss sagen: Neben der Tatsache, dass dieser Film durchaus gut gemacht ist, kaum Längen hat und seine zuckersüß klebende Botschaft nicht allzu zahnschmerzend verbreitet, ist es auch ein zutiefst atheistischer Film, der endlich versucht, die Weihnachts-Folklore von ihrer christlichen Betonschicht zu befreien und es als das darzustellen, was es ist.
Ein Fest der Familie in einer individualisierten Gesellschaft.
Vordergründig sehen wir einige Geschichten Londoner, die sich in der Weihnachtszeit mit Verwirrungen des Herzens herumplagen müssen. Der neue Premierminister verliebt sich in eine Angestellte; ein Chef mit Frau und Familie weiß nicht, was er von den Annäherungsversuchen seiner Sekretärin halten soll; ein abgehalfteter Rockstar versucht noch einmal einen Weihnachtshit zu landen und erkennt, wie schlecht er seinen treuen Manager all die Jahre behandelt hat; ein frisch verwitweter Vater geleitet seinen Sohn durch die erste große Liebe; etc. pp.
Alles, wie gesagt, einigermaßen unterhaltsam verbunden und erzählt, am Ende, Heiligabend, treffen alle Charaktere in einer Schule beim Krippenspiel zusammen. Und bei diesem Krippenspiel wurde mir klar: Obwohl es sich um einen Weihnachtsfilm handelt hatte ich bisher, in über 90 Minuten, nicht ein Mal die Worte „Christentum“, „Jesus“, „Bibel“, „Weihnachtsgeschichte“, „Heilige drei Könige“ usw. gehört. Selbst beim erwähnten Krippenspiel ist einiges anders. Statt heiliger drei Könige kommen Hummer und Kraken zum Einsatz. Es werden keine heiligen Lieder gesungen sondern „All I Want For Christmas“ von Mariah Carey.
Wir halten fest: Ein Weihnachtsfilm ohne die übliche Weihnachtsfolklore. Auf den ersten Blick auch klar, schließlich gibt es im Vereinigten Königreich eine große Gemeinde von Moslems, Sikhs, Hindus usw. Und auch die sollen natürlich ins Kino kommen, sich wohlfühlen und die Kassen klingeln lassen. Außerdem ist Political Correctness sowohl in UK und USA sehr wichtig.
Man kann es aber auch so sehen: Der Film propagiert ein Bild von Weihnachten, dass in den meisten Familien bereits weitgehend gelebt wird und das sich auf die Punkte Familie und Konsum reduzieren lässt.
Es ist fünf Euro für’s Phrasenschwein wert, von unserer Gesellschaft als individualisiert zu sprechen. Familie spielt im Alltag nicht mehr die wichtigste Rolle. Die eigene Entfaltung und der Beruf stehen noch vor ihr. Familie ist für’s Herz und Weihnachten ist das Fest: Endlich wieder Geborgenheit, wieder Kind sein, Süßigkeiten essen, Geschichten von Oma anhören. Und natürlich Geschenke verschenken. Das ganze Jahr arbeiten wir, um das Wichtigste zu verdienen: Geld. An Weihnachten können wir es für unsere Familie und Freunde ausgeben. Das Fest ist hierfür reserviert.
Klar, die Bedeutung, die Herkunft von Weihnachten ist eine andere. Und viele sehen sich auch heute noch verpflichtet, in dieser Zeit in die Kirche zu gehen. Ich denke aber, dies ist auch nur eine Teil der oben beschriebenen neuen Tradition. Es ist wie früher, es ist warm im Herz.
Das ist es, was der Film zeigt: An Weihnachten ist die kalte Welt (und im Winter noch kälter!) ein bisschen wärmer. Denk an deine Familie, kaufe für sie ein, mach dir Gedanken und dann triff dich mit ihr. Egal ob du Christ bist, Moslem, Jude, Shintoist oder was auch immer: Mach mit. Es ist ein globales Fest, es ist ein Konsumfest. Dein Herz braucht deine Familie, die Wirtschaft braucht dich. Mach mit.
Vielleicht wird man in 50 Jahren „Tatsächlich … Liebe“ als ersten Lehrfilm eines globalen Atheismus sehen. Aber auch nur vielleicht.
Nach mir … ach, auch egal
9. Dezember 2008Aus aktuellem Anlass und um mein Gewissen zu beruhigen: Du musst immer mitnehmen was geht. Du kannst das Ende des Engagements sehen? Egal, versuche vorher das Bestmögliche für Dich herauszuschlagen. Das hat natürlich nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Es geht nur um Dich und Deine momentane Situation.
Oder um es anders auszudrücken: Es gibt Bereiche in denen es sich lohnt an die Zukunft zu denken. Natur, Beziehungen. Der eigene Arbeitsplatz gehört nicht dazu. Bist Du nicht selbstständig und hast Dein Glück mehr oder weniger selbst in der Hand, kannst Du nie vorhersagen, wie die ganze Sache in zehn Jahren aussieht. Oder in fünf. Wichtig ist nur, dass die Richtung stimmt und Du möglichst viel herausholen kannst.
Das beweist doch gerade die sogenannte Wirtschaftskrise: Eben noch rostfrei glänzende Branchen (Finanzdienstleistungen, Automobile, Journalismus) gelten als abgeschrieben, veraltet und (in ihren momentanen Zuständen) als wenig zukunftsträchtig. Wer hätte das vor wenigen Jahren gedacht? Dumm, wer sich jetzt ein schlechtes Gewissen einredet, weil er damals Bankkaufmann gelernt, BWL studiert und auf Finanzdienstleistungen spezialisiert hat. Egal, Hauptsache Du hast bis jetzt das beste dabei herausgeholt.
Es wird schon irgendwie weitergehen. Bist Du gut ausgebildet, hast bisher Dein Bestes gegeben und gute Zeugnisse – Du wirst schon irgendwo unterkommen. Und dann gilt es wieder: Hol raus was geht. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Provisionen, Prämien, leg ein bisschen was zurück, den Rest raushauen.
Denn das ist Tatsache: Wir leben nur einmal. Fünf Euro ins Phrasenschwein, Johannes B. Kerner-Gedächtnis-Medaille in Gold, aber es stimmt: Wir leben nur einmal. Oder um es mit Pearl Jam zu sagen:
I know I was born and I know that I’ll die: The in-between is mine.
Und in diesem in-between bist nur Du und die Menschen, die Dir nahe stehen. Sieh zu, dass es Dir und ihnen gut geht. Sie zu, dass Du mit 70 nicht am Hungertuch nagst. Aber kümmere Dich nicht um Entscheidungen in Deiner Firma, die Du für falsch hälst, die sie sogar an die Wand fahren könnte – nimm mit, was geht. Und dann zieh weiter. Es wird schon gehen. Mach Dir nicht zu viele Sorgen. Sonst ist sie gefährdet, die Pychohygiene.
Die Zukunft der Zeitung ist die Nachricht – zur Not auch Online
21. November 2008Kaum ein Thema wird in der Medien-Landschaft momentan so heftig diskutiert wie die Zukunft von Print, vor allem Zeitungen, im Gegensatz zu Online. Die Umsätze bei Print sinken schneller, als sie bei Online steigen. Die Reaktion der Medienunternehmen: Stellen werden gestrichen, Redaktionen zusammengelegt, Qualität abgebaut. Gleichzeitig setzt man bei Online auf den schnellen Klick und betrachtet es immer noch als Konkurrenz zu den „klassischen“ Medien.
Die Medienunternehmen haben es immer noch nicht verstanden. Es gibt da dieses Zitat über die Eisenbahngesellschaften am Beginn des 20. Jahrhunderts, von dem ich nicht mehr weiß, wer es getätigt hat: „Wenn die Companies verstanden hätten, dass sie nicht im Eisenbahn- sondern im Transportbusiness sind, gäbe es sie noch heute.“
Analog dazu kann man über die Medienkonzerne sagen:
„Wenn die Medienkonzerne verstehen würden, dass sie nicht im Tageszeitungs- oder im Print-, sondern im Nachrichtengeschäft sind, wird es sie auch noch in 50 Jahren geben.„
Vielleicht refinanzieren sich qualitativ hochwertige Onlineauftritte noch nicht. Aber es ist eine Investition in die Zukunft. Das müssen Verlage und Fernsehsender verstehen. Die Zukunft ist, bezogen auf Nachrichten, nicht gedruckt, sondern digital, online.
Die SED und freier Zugang zu Wissen
17. November 2008Ich habe es ja gesagt: Die Linke ist die SED im Schafspelz. Sagt auch Knüwer. Sicherlich kann man nicht alle Mitglieder dieser Partei über einen Kamm scheren. Und auch andere Politiker und Personen der Zeitgeschichte haben sich schon ähnlich gegenüber Wikipedia verhalten.
Deshalb muss man wohl darauf schliessen: Nicht viele derer, die mit den „alten Medien“ sozialisiert wurden, wissen, wir man mit den „neuen Medien“ umgehen muss, ohne gleich tief im PR-Matsch zu landen. Ein kleines Grinsen kann man sich nicht verkneifen.
Doppelt schlimm wird es natürlich dadurch, dass die Linke dahinter steckt. Die haben bisher noch nicht bewiesen, dass sie Demokratie können. Und jetzt sind sie wieder einen Schritt zurück getreten. Bezeichnend auch, dass es bei dem Streit nicht um die Einträge des Typen zu seiner Stasi-Vergangenheit geht, sondern um Sex-Shops. Die Stasi-Fakten stehen unwiedersprochen im Artikel.
Der Tod des Deutschen Humors
12. November 2008Gestern war der 11.11. Das hat ja in einigen Gegenden dieses Landes etwas zu bedeuten. In anderen Gegenden – wie zum Beispiel hier, in der schönsten Stadt der Welt – sind wir glücklich darüber, dass dieser Kelch, gefüllt mit schlechten Witzen, schlechten Kostümen und schlechter Musik, an uns vorüber geht.
Alles was es zum Karneval zu sagen gibt, ist nichts schönes. Grob zusammengefasst ist der Karneval der Tod des Deutschen Humors. Erschossen von der Spaß-Gestapo* liegt er danieder und gebiert so unlustige Klappskallis wie Atze Schröder, Guido Cantz und Bernd Stelter.
Schon mindestens 15 Jahre alt, aber aktuell wie nie:
* Danke Oliver Kalkofe für diesen wirklich treffenden Terminus.
War Sokrates dumm?
12. November 2008Manchmal muss man einen Artikel gar nicht lesen um schon zu wissen, dass nur Mist drin steht, es reicht schon die Überschrift:
Macht Web 2.0 dumm?
Natürlich ist das so. Genauso wie der Roman die Leute dümmer gemacht hat, die Eisenbahn, das Auto oder der Fernseher. Der Computer an sich sowieso. Überhaupt ist das Neue immer schlecht und zerstört unsere Hochkultur. In den letzten 2000 Jahren hat sich die Menschheit rückwärts entwickelt. Und alles fing schon bei Sokrates an:
Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Jaja, ob das wirklich von ihm stammt, weiß man nicht. Und doch könnte man, übertragen auf den Artikel und heute, sagen:
Die Jugend von heute kommuniziert nur noch per Tastenanschlag, verstümmelt unsere Sprache und will sich von keiner Autorität kontrollieren lassen. Sie sagen zu allem und jedem ihre Meinung und kümmern sich nicht darum, ob sich die Welt dafür interessiert.
Wahrscheinlich wird der oben genannte Artikel in ein paar (?) Jahren von Lesern genauso rezipiert wie das Sokrates-Zitat von uns. Mein Trost bei der Sache: Es muss immer jemanden geben, an dem man sich reiben kann, sonst macht es keinen Spaß und entwickelt sich nicht weiter.
[Update]: ORF-Lorenz: „Dieses Scheiß-Internet!“